Jenseits von Konflikt und Koexistenz

Eine Verflechtungsgeschichte der jüdisch arabischen Beziehungen

Wissenschaftliche Leitung:
Dr. Teresa Bernheimer
Gastgebender Professor:
Prof. Dr. Ronny Vollandt
Gefördert durch:
BMBF
Laufzeit:
2022–2026

Das BMBF-Projekt Jenseits von Konflikt und Koexistenz Eine Verflechtungsgeschichte der jüdisch-arabischen Beziehungen untersucht in sechs eigenständigen Forschungsprojekten (angebunden drei Forschungsstandorte Standorte München, Halle, Heidelberg) unterschiedliche Aspekte der Verflechtungsgeschichte jüdisch-arabischer Beziehungen: nicht Konflikt oder Koexistenz sind die erklärenden Existenzmodi, sondern die Verflechtungen religiöser, intellektueller, sozialer, linguistischer oder wirtschaftlicher Praktiken von Jüdinnen und Juden und Musliminnen und Muslimen, die durch das enge Zusammenleben über viele Jahrhunderte entstanden sind.

Teilprojekt: Dr. Teresa Bernheimer (Ludwigs-Maximilians-Universität München)

Farbbezeichnungen in Judentum und Islam 600-1200

Farben, Farbbegriffe, oder Farbbeschreibungen finden sich in frühen jüdischen und islamischen Texttradition in unterschiedlichsten Kontexten: von den Heiligen Schriften, über philosophische, astronomische, oder botanische Werke, hin zu Dokumentationen des Alltagslebens, die in Genizah Sammlungen oder arabischer Papyri erhalten sind. In der Tat lebten Juden und Muslime der Spätantike in einer farbenreichen Welt. Dennoch scheinen die ersten theoretischen Abhandlungen zu Farben durch die Übersetzungen klassischer griechischer Werke ab dem neunten Jahrhundert bekannt geworden zusein; erst das Werk zur Optik des Ibn al-Haytham (gest. 1040), das Kitāb al-Manāẓir, brachte dann grundlegenden Neuerungen zur Farbtheorie in Judentum und Islam.

Mein Teilprojekt Farbvorstellung in Judentum und Islam, 600-1200 beginnt mit einer Untersuchung des Regenbogens, der als Symbol des erneuerten Bündnisses zwischen Gott und Noah (Genesis 9,12-16) in beiden Traditionen eine zentrale Rolle spielt. Welche Farben hat der Regenbogen? Anders als allgemein angenommen sind Wahrnehmung und Klassifizierung von Farben nicht objektiv, sondern kultur-spezifisch geprägt. Wie entwickelten und veränderten sich Farbtheorien, und wie wurden Farbbezeichnungen interpretiert und übersetzt als diese durch griechisch, hebräisch, syrisch, oder arabisch-sprechende Kulturen zogen? Was können uns Adaptionen sagen über die Verflechtungsgeschichte der Kulturen, die diese hervorbrachten? Bisher haben nur wenige Arbeiten bestimmte Aspekte dieses reichen und faszinierenden Themas beleuchtet. Basierend auf einer breiten Quellenuntersuchung von Kommentarliteratur, Historiographie und naturwissenschaftlichen Werken ist das Ziel meines Projekts, die Verflechtungsgeschichte von jüdisch-islamischen Farbvorstellungen im Nahen Osten der Spätantike und des frühen Mittelalters „auszumalen“.

Teilprojekt: Dr. des. Anna Busa (Ludwigs-Maximilians-Universität München)

Mittelalterliche jüdische Lesefähigkeit jenseits der Elite: populäre ethische Bücher aus der Kairoer Geniza

Das Teilprojekt konzentriert sich auf zwei mittelalterliche populäre Werke, die in den jüdischen Gemeinden rund um das Mittelmeer weit verbreitet waren und in der Kairoer Geniza zu finden sind. Da das vielfältige dokumentarische und literarische Material, das die Geniza bietet, einen Querschnitt durch alle sozialen Schichten der mittelalterlichen Gesellschaft des nahöstlichen Raumes bietet, spiegelt es mit seinem Quellematerial das Alltagsleben und die Mentalitäten der Menschen und den interkulturellen Austausch der Zeit. Im Fokus des Projekts steht die Frage nach der Lesefähigkeit der Bevölkerung, auf die durch diese populären Bücher hingewiesen wird. Wer waren die Konsumenten dieser Texte und welcher sozialen Schicht gehörten sie an? Und vor allem, was sagen diese jüdischen Texte und ihre ins Arabisch übersetzen Gegenstücke über die Lesefähigkeit und Lesekultur ihrer Konsumenten aus? Das Ziel des Projekts ist es anhand der bisher vernachlässigten Textgattung der populären ethischen Bücher aufzuzeigen, dass die Produktion, die Aneignung und die weite Verbreitung dieser Texte in beiden Kulturen eine gebildete, multikulturelle, mittelalterlich-städtische Gesellschaft hervorgebracht hat, welche bereits im frühen Mittelalter diese Literatur zur Freizeitgestaltung und Erbauung außerhalb des akademischen Rahmens genutzt hat.

Beteiligte

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Dr. Teresa Bernheimer

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Ronny Vollandt
Prof. Dr. Ronny Vollandt

Professor für Judaistik, Studiendekan für Ethnologien und Naher Osten

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Dr. Anna Busa

Research Fellow

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Prof. Dr. Nathan Gibson

Habilitand

  • Carolin Wilimsky
  • Caroline Kloos